April 2016 / Julius Forgo / Modestylist + Consulter / Berlin-Moabit

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Woher kommt dein Interesse für Mode?
Mein Interesse begann schon in der Kindheit. Meine Familie hat einen kulturellen Background. Wir sind als Kinder viel mit meinen Eltern gereist und haben somit sehr viel von anderen Kulturen aufgenommen und gesehen.
Meine Leidenschaft für das Ethnische kommt zusätzlich auch aus meiner Abstammung. Ich bin in Bukarest geboren. Meine Mutter ist Rumänin, mein Vater ungarisch-deutsch. Die Mischung dieser Kulturen haben meinen Sinn für die Ästhetik und das Ethnische geschärft.
In der Schulzeit hatte ich gemerkt, dass mir am Gestalten viel gelegen ist und ich mich somit darin sehr entfalten konnte. Nur gab es für mich leider in der damaligen Zeit nicht die Möglichkeiten, meinen Wünschen nachzueifern.

Was haben dich deine Eltern über Stil ganz allgemein gelehrt?
Ich denke schon, dass sie mir unbewusst Vieles übertragen haben, da sie beide Künstler sind. Vor allem meine Mutter, die in Bukarest als Setdesignerin für größere Einrichtungshäuser und Staatsempfänge arbeitete und generell immer sehr darauf geachtet hat, wie wir angezogen waren. Mein Vater als Musiker und Kapellmeister war eher der strengere Part, der mir am liebsten von meinem Wunsch, Modedesigner zu werden, abgeraten und sich lieber etwas Bodenständiges für mich gewünscht hätte. Daher auch meine erste Ausbildung – und im Endeffekt Fehlschlag – als Chemielaborant. Da wurde mir auf jeden Fall klar, was ich nicht wollte...

Du bist Modestylist und -berater. Deine Anfänge liegen aber im Modedesign. Welche Erfahrungen als Modedesigner haben dich zum Stylisten und Berater umswitchen lassen?
Gelernt hatte ich in München und Tokio. Danach ging es direkt nach Paris, wo ich an meiner eigenen Kollektion angefangen hatte zu arbeiten. Da wurde mir aber auch schnell klar, dass ein eigenes Label absolut nichts für mich ist und ich eher ein Teamplayer bin.

Daraufhin ging es dann auch schon ziemlich schnell weiter, indem ich den Designer Marjan Pejowski mit dem Label KTZ (Kokon to Zai), der durch das Schwanenkleid für Björk bekannt wurde, kennengelernte. Er bot mir an, an seiner neuen Herbst/Winter-Kollektion in London mitzuarbeiten. Also zog ich schon von Paris nach London – was definitiv die bessere Entscheidung war.

Anschließend war ich bei dem britischen Modeschöpfer Hussein Chalayan, was mich – die architektonischen und experimentellen Aspekte betreffend – als Stylist geprägt hat. Unter der Leitung von Christopher Bailey bei Burberry Prorsum London/ Milan habe ich danach mein Gespür für das Mode-Segment High End/Luxury und elegante Weiblichkeit entwickelt. Nach diesen Stationen im Avantgarde & Luxury Segment ging ich als Designer für Womenswear zum Couturier Zac Posen nach New York.

Später konnte ich als Stylist mein eigener Herr sein und so mein eigenes Team aufstellen und selbst entscheiden, mit wem ich zusammenarbeite. Generell finde ich es als Stylist spannender, dem Trend voraus zu sein und auch selbst Trends setzen zu können. Ich finde es beeindruckend, wie wir Designern mit unseren Ideen voraus sind und sie füttern, und wir sie somit bei ihren Kollektionen bzw. Kampagnen unterstützen.

Was ist genau deine Aufgabe als Stylist?
Als Stylist liefere ich Designern neue Ideen. Dafür durchstöbere ich meinen Fundus und auch mein Zeitschriftenarchiv – was ich mir über die ganzen Jahre auch während meiner Designtätigkeit zugelegt habe – nach Vintage pieces mit interessanten Design-Details, Stoffen und Farben. Ich mache Vorschläge für das Farbkonzept, Styling und Silhouettenvorschläge für die kommende Saison. Inspiration dafür hole ich mir natürlich auch bei den aktuellen Runway-Shows und den Modemessen.

Wie hältst du dich up-to-date? Wie spürst du Trends auf?
Über die Jahre hatte und habe ich immer noch die Möglichkeit, mit sehr vielen kreativen Leuten aus verschiedenen Bereichen zusammenzuarbeiten, die mein Wissen sehr stark geprägt haben bzw. noch immer prägen.

Was treibt dich an?
Viel mehr als Mode treiben mich Architektur (insbesondere Art Deco und Bauhaus) und zeitgenössische Kunst an, da es für mich mehr herauszuholen gibt für meine Arbeit als Modestylist und -berater. Eine andere wichtige Motivation ist die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, Fotografen, Designern und Trendagenturen für mich.

Das Interview führte Katja Mollenhauer. Fotos von Nadja Wehling

Julius Forgo ist 1977 in Bukarest geboren. 1984 kommt er mit seiner Familie nach Deutschland. Nach einer Ausbildung zum Chemielaborant entscheidet er sich, eine andere Richtung einzuschlagen. Er beginnt 2000 Modedesign in München und Tokio zu studieren. 2003 hat er sein Modedesign-Diplom in der Tasche. Von 2003 bis 2009 arbeitet er in verschiedenen renommierten Modehäusern wie Burberry Prorsum, Hussein Chalayan und Zac Posen als Modedesigner. Währenddessen ist er auch als Modestylist und -berater tätig. Die Arbeit als Stylist macht den Schwerpunkt in seinem Berufsleben aus. U.a. berät er Modelabels Nike. Neben dem Modebereich nimmt er auch Aufträge als Stylist in den Bereichen Werbung und Musik wahr. www.juliusforgo.com

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