März 2015 / Uta Päffgen / Malerin / Berlin-Wedding

Coco Berliner - Uta Päffgen - 1

Woher kommt dein Familienname?
Päffgen stammt eigentlich von Beffchen ab. Das sind diese weißen Halsbinden aus dem 17. Jahrhundert, die Geistliche tragen.

Der Name ist eher selten und taucht auch nur in der näheren Umgebung von Köln auf, soweit ich weiß. Oft werde ich gefragt, ob ich mit der Sängerin Nico, alias Christa Päffgen oder dem Künstler C.O. Paeffgen verwandt bin, beide auch in Köln geboren.

Kölner fragen mich auch häufig, ob ich was mit der Brauerei Päffgen zu tun habe, und das kann ich immerhin bejahen. Das Päffgen Kölsch ist sehr beliebt in Köln und es schmeckt auch wirklich gut. Es ist eine kleine Hausbrauerei mit einem für Köln typischen, recht urigem Brauhaus. Mittlerweile ist es die älteste Hausbrauerei in Köln, mein Urgroßvater hat sie 1883 gegründet. Jetzt gehört sie meinem Onkel. Meine Eltern haben eine Gaststätte mit Päffgen Kölsch Ausschank in Bensberg bei Köln.

Wie bist zur Malerei gekommen?
Ach, das ist eine lange Geschichte. Ich meine, es hat ziemlich lange gedauert, bis ich mich an der Kunsthochschule beworben habe. So mit 16 hab ich begonnen, mich für Kunst zu interessieren, vor allem für Malerei. Besonders angetan war ich von den Franzosen, Matisse bis heute an erster Stelle. Ich denke, es war vor allem die Faszination für bestimmte Werke, die den Wunsch in mir anregten, das auch zu machen. Und dann hab ich auch angefangen zu zeichnen und zu malen. Aber das war eben ein Hobby, ein Ausgleich vielleicht. Den Gedanken, das beruflich zu machen, fand ich selbst damals unerhört, wenn auch sehr verlockend. Ich hab dann erstmal alles Mögliche studiert.

...was zum Beispiel?
Zum Beispiel Französisch und Germanistik. Nach der Schule hab ich ein Jahr in Aix en Provence gelebt und danach in Köln mit dem Studium angefangen. Aber mein geheimer Wunsch war es tatsächlich, Künstlerin zu werden – genau genommen Malerin.

Was hat dich von Köln nach Berlin verschlagen?
Ich hab hier meinen Ex-Freund besucht und war tief beeindruckt von der Stadt. Vom Ostteil der Stadt vor allen Dingen. Das war hier ja in den ersten Jahren nach der Wende ein einziger Spielplatz für Große. Es gab so unglaublich viel Raum. Und jeder konnte sich nach Belieben austoben. Nun ja, ich sagte mir, was soll ich da noch in Köln, da ist alles so festgefahren, ich muss sofort nach Berlin, geht gar nicht anders. Auch wenn ich kaum jemanden kannte hier. Das hatte auch etwas für sich. So konnte ich dem nachgehen, was ich mich früher nie getraut hatte. Ich hab mich sozusagen an die Malerei herangepirscht. Als ich hier ankam und die ganzen Leute gesehen hab, z.B. im Tacheles. Die haben einfach die Räume besetzt und losgelegt. Ich hab es ihnen gleichgetan... na ja, einen Raum gemietet und losgelegt. Das war in einer Ateliergemeinschaft in Weißensee. Allerdings war ich da meist alleine. Manchmal war es schon auch etwas einsam. Das war schon gut und wichtig, dass ich dann später an der Kunsthochschule studiert habe. Die Studienzeit an der Kunsthochschule Weißensee war wirklich toll.

Was macht deine Malerei aus?
Mich interessiert die Organisation der zweidimensionalen Fläche durch ein scheinbar spontanes Hinweggleiten des Pinsels über die Leinwand. Ich gehe sehr stark von dem flächenhaften Aspekt der Malerei aus. Das ist sozusagen meine aller erste Erfahrung, wenn ich einen Pinsel mit Farbe in die Hand nehme und anfange, mit dem ersten Strich die Fläche zu bestreichen. Gleichzeitig erfahre ich, dass sich sofort ein weiterer Raum öffnet, der imaginäre Raum. Auch wenn die Formen nur Pinselstriche sind. Das Formenvokabular meiner Malerei ist ja sehr reduziert. Die geschaffene Tatsache eines Pinselschwungs z.B. auf der Leinwand regt das Denken an, wie es weitergeht. Es bringt den Prozess des Malens in Gang. Je nachdem, wie ich die Farbe einsetze, mal deckend, mal transparent, und die Striche schichte, ergeben sich stellenweise Räume mit einer optischen Tiefe. Vor allem die größeren Formate mit den breiten, dynamischeren Pinselschwüngen haben auch eine starke körperliche Wirkung.

Wann bist du am kreativsten? Wann packt es dich?
Das ist unterschiedlich. Der kreative Akt passiert ja scheinbar oft einfach so, plötzlich und unverhofft. Aber im Kopf gab es ja schon lange eine Vorbereitung. Man weiß nur nie, wann es ausgespuckt wird. Manchmal passiert etwas Neues, oder man entdeckt etwas Neues beim Malen, wo es in dem Augenblick gar nicht reinpasst, wo es gerade nicht hin soll. Oder ich habe eine zündende Idee, beginne damit begeistert, und dann erschöpft es sich so schnell, wie es gekommen ist. Ich sammle halt, manchmal sind das auch recht zähe Phasen, in denen ich mich frage, was ist es, das mich hier überhaupt noch interessiert.

Ich arbeite nebenher immer auch auf Papier, besonders wenn ich mit den Leinwänden nicht weiter weiß. Es bringt ja auch nichts, tagelang die Bilder anzustarren in der Hoffnung, eine gute Entscheidung zu finden. Zeitdruck ist im richtigen Moment auch wichtig. Da muss dann aber im Vorfeld schon auch einiges geklärt sein.

Dann arbeite ich tagelang zwölf Stunden oder noch länger hintereinander weg wie im Rausch. Das hat dann schon etwas Manisches. Vor allen Dingen ist es gut, wenn beim Malen die Distanz durch das ständige Bewerten wegfällt. Aus dem Kopf sprudeln Tausend Ideen, und ich springe von einer Leinwand zur nächsten und kann nicht mehr aufhören.

Da passt meine nächste Frage jetzt gut rein. Wann weißt du, wann du ein Bild fertig hast?
Meistens weiß ich, wann ein Bild fertig ist. Manchmal bin ich auch unsicher. Vor allem wenn ich einen Zustand im Bild noch nicht richtig einordnen kann. Manchmal macht man weiter, obwohl man es hätte nicht machen sollen. Das ist dann unter Umständen sehr schade. Die Gefahr liegt darin, dass man oft zu schnell reagiert. Manchmal muss man ein Bild auch länger stehen lassen, dann drauf schauen und man weiß, wie es weitergeht oder ob es so bleibt. Es geht mir öfter so, dass ich nicht weiter weiß, dann stelle ich das Bild zurück, mache bei den anderen weiter, schau ab und zu auf das eine und weiß irgendwann, wie ich mit dem Bild weiterarbeiten kann oder ob ich es als fertig ansehe.

Gibt es eine Arbeit, bei der du sagt, 'Die ist mir richtig gut gelungen. Da bin ich total stolz drauf.'?
Das ist das Bild, das ich für die letzte Ausstellung "Surfer Rosa" bei Heinz Holtmann auf der Einladungskarte hatte. Und es gibt ein Bild aus dem Jahr 2010 (Ohne Titel, 2010, Acryl, Öl auf Baumwolle, 240 x 160 cm). Wenn ich das im Katalog sehe, muss ich immer schmunzeln. Bei der Arbeit war es so: Die Zeit war knapp, der letzte Strich – ausgerechnet in der Mitte – sollte der entscheidende Schlusspunkt sein. Wenn der daneben ging, wär's das gewesen. Es hat dann geklappt, aber das war in dem Moment schon dramatisch spannend.

Möchtest du ein Publikum für deine Bilder haben?
Ja, auf jeden Fall.

Was machst du dafür?
Ich sollte mich auch mal bei Facebook anmelden.

Welche Art von Öffentlichkeit ist für dich interessant?
Als erstes sind das Ausstellungen natürlich. Einzelausstellungen und auch Gruppenausstellungen. Je bekannter oder etablierter die Institution, desto besser. Toll ist es, wenn eine Ausstellung in einer Zeitung, Kunstzeitschrift oder in einem Blog besprochen wird. Und sehr viel Publikum gibt es auch auf den Kunstmessen. Mein Galerist Heinz Holtmann zeigt Arbeiten von mir auch auf jeder Kunstmesse, die er macht, z.B. auf der Art Cologne oder Arco Madrid.

Wie bist du zu deiner Kölner Galerie gekommen?
Meine Eltern kennen Heinz Holtmann. Irgendwann hat er einen Katalog von mir gesehen und rief mich an, weil er ein paar Bilder sehr gut fand. Im Anschluss hat er mich in meinem Berliner Atelier besucht. Wir sind in Kontakt geblieben. Ich hab ihm Fotos von neuen Arbeiten geschickt. Bei einem Treffen in Köln hat er mir dann einen Termin für eine Einzelausstellung vorgeschlagen. Bei dieser ersten Ausstellung hat er gleich zur Eröffnung alle Bilder verkauft. Da waren wir beide ziemlich beeindruckt.

Kannst du von deiner Kunst leben?
Miete, Strom, Gas. Ja, es geht. Ging auch schon besser. Es ist immer etwas unsicher. Das nervt manchmal auch. Mal sehen, wie es weiter geht.

Das Interview führte Katja Mollenhauer. Fotos von Nadja Wehling

Uta Päffgen ist 1970 in Köln geboren. Seit 1992 lebt sie in Berlin. Ihr Malerei-Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee hat sie von 1998 bis 2006 absolviert. 2004 hat sie ihr Diplom bei Prof. Katharina Grosse und Hans Maria de Wolf gemacht und von 2005 bis 2006 war sie Meisterschülerin bei Katharina Grosse. 2010 ist ein Katalog von Uta Päffgen von der Galerie und Verlag Heinz Holtmann in Köln veröffentlicht worden. Uta Päffgen hatte schon zahlreiche Einzelausstellungen in Berlin und Köln als auch Gruppenausstellungen in Berlin, Köln, Weimar, München und Tokio. www.utapaeffgen.de

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