Februar 2014 / Ulla Killing / Food-Designerin / Berlin-Charlottenburg

Coco Berliner - Ulla Killing - 1

Deine Passion für Essen entpuppte sich schon früh in deiner Kindheit. Du hattest immer ein Brotbelag-Battle mit deiner Cousine. Worum ging's da?
Wir haben uns diverse Brotkombinationen ausgedacht und jegliche Belagvariationen ausprobiert z.B. diverse Brottypen, Gewürze, Aufstriche, Wurst, Käse, Senf, Kräuter, Salat, Eier getestet. Dann mit Ahhh's und Ohhh's bestätigt, welche Kombo der ultimative Hit war. Einer meiner Lieblingskombos, die meine Cousine kreierte und die ich noch immer als Favorit sehe: ... eine dünne Scheibe Bauernbrot mit Kümmel und Anis, darauf Butter, Liptauer – der muss aber von Meinl sein! ... ein anderer kommt gar nicht in Frage, dann Pressschinken (kein teurer Beinschinken, aber ohne Fett und Knorpelfaser und total saftig), dann 1 Blatt Kantwurst (spezielle österreichische Salami). Zuletzt eine hauchdünne Scheibe Emmentaler und ein kleines saures Gurkel... voilà!
Wir haben auch schon mit neun Jahren damit begonnen, selbstgemachte Marillenmarmelade mit Senf zu vermischen und auf einem mürben Kipferl mit Bergkäse zu verdrücken.

Später als du Mutter von drei Kindern geworden bist, kam die Leidenschaft für Essen auch nochmal stark zum Tragen. Was genau hast du da gemacht?
Ich habe oft an meine eigene Kindheit gedacht, es gab immer sensationelles Essen. Meine berufstätige Mom hat immer darauf geachtet, dass ordentlich gekocht und gegessen wird. Sie ist eine fabelhafte Köchin, und ihr Elan hat mich doch sehr geprägt. Als ich dann selbst Mutter wurde, hatte ich eine Mutter-Kind-Öko-Kiste bestellt und bekam jede Woche Obst, Gemüse und Fleisch zugestellt, die ich zubereiten musste. Damals waren oft Dinge dabei, die ich gar nicht kannte. Das entwickelte eine große Eigendynamik, da ich ab diesem Zeitpunkt kochte und alles rund ums Kochen aufsog und englischsprachige Kochbücher inhalierte und sammelte. Ich war ein regelrechter Food-Hunter.
Ich habe den Kindern auch nie irgendetwas vorenthalten – habe immer alles gekocht – und nicht die üblichen Spaghetti mit Tomatensauce aus der Dose und Fischstäbchen aus der TK-Abteilung. Natürlich gab es auch das auf dem Speiseplan, aber alles selber gekocht. Es ist ein Irrglaube, dass das alles viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber eine selbstgemachte frische Tomatensauce oder schnell paniertes Fischfilet im Ofen gebacken mit einer selbstgemachten Remoulade kann man nicht toppen.

Das begeisterte bestimmt andere Mütter, richtig?
Ich glaube, dass genau dieser Ansatz den Müttern gefiel. Oftmals kamen Kinder zu uns, die zu Hause schlechte Esser waren, aber bei uns einfach alles aßen und alles probierten. Ich habe meine Kinder nie mit absoluten Kinderessen behelligt. Die Kinderteller im Restaurant waren mir und meinen Monkeys immer ein Greuel.
Andere Kinder sind oft mitgezogen. Vor allem bei Kindergeburtstagen habe ich nie die üblichen verdächtigen Dekorationen und Speisen hingestellt, sondern eine Palette an Essen, das auch jeder Erwachsene bei seiner Feier hat. Auch Ausgefallenes. Die Deko beinhaltete nie Plastik-, sondern schöne Porzellanteller und Blumen oder Strohballen, wenn es ein "Cowboy"-Geburtstag war. Das gefiel den Kindern und den Eltern. Viele Mütter fanden diesen Ansatz gut und haben mich immer wieder gefragt, ob ich deren Kindergeburtstage unterstütze bzw. ausrichte.

Wie bist du Food-Stylistin am Film-Set geworden?
Wieder ein Zufall. Ich war beim mehrteiligen TV-Film "Weißensee" als Setdresser und hatte eines Tages einen Kuchen zum Set mitgebracht, den alle ganz lecker fanden. Das hat Ludwig Schleppegrell, der Art Director, mitbekommen. Der sagte mir, dass er in Babelsberg bei einer neuen Serie dabei ist und er wusste, dass sie jemanden für die Serie sucht, der kocht. Die Serie hieß "Hanna – Folge deinem Herzen". Mit ihr wollte das ZDF zum ersten Mal das Augenmerk einer Fernsehserie aufs Essen legen. Den Job bei "Hanna" hab ich bekommen. Ich durfte das gesamte Essen kochen. Interessant war, dass die Autoren in die Serie immer mehr Essen reinschreiben mussten, weil die Fans der Serie das immer mehr wollten. Das hieß, ich hatte gut zu tun. Super! Im Anschluss hab ich bei GZSZ gekocht und irgendwann für den Kinofilm "Kokowäah".

Deine Leidenschaft fürs Essen ist so schön natürlich gewachsen. Es scheint, das bist 100prozentig du, richtig?
Das Kochen bin ich wirklich hundertprozentig. Es hat lange gedauert, bis ich das begriffen habe. Ich war oft traurig und der Meinung, ich hätte keinerlei Fähigkeiten in mir: konnte nicht malen, singen, tanzen, schauspielern... In meiner Familie sind alle begabt, und ich konnte nie meine Begabung ausfindig machen. Und jetzt weiß ich es: Meine Kunst ist es zu kochen und alles was drumherum dazugehört. Da findet sich meine Seele, meine Aufmerksamkeit, darüber werde ich nie müde. Es fühlt sich an wie komponieren.

Großartig, also kann ich sagen, du bist eine Clara Schumann der kulinarischen Genüsse...
Bist du im Moment mit all deiner Vielfältigkeit zufrieden oder möchtest du noch was Neues ausprobieren?

Eigentlich läuft alles gut. Ich bin froh, dass ich in dem Caterer Christian Farkas einen Partner gefunden hab, der mir sein Equipment und Team zur Verfügung stellt und mit dem ich Caterings anbieten kann. Und irgendwann möchte ich mal meine Homebase finden, mit der ich der Kreativität fürs Kochen einen Ausdruck verleihen kann.
Außerdem würde ich gerne noch meinen Job als Food-Consultant ausbauen.

Wenn du selbst nicht kochst, wo gehst du in Berlin am liebsten essen?
Mein Lieblingsgastgeber war Robert Strasser mit seinem Restaurant "Bebe Rebozo". Leider hat er zugemacht, da ein Streit mit dem Vermieter eskalierte. Es war ein Kleinod vom Feinsten. Da gab es das beste Ceviche der Stadt. Du weißt, dieses leckere Gericht aus Peru, wo der Fisch in Limettensaft sozusagen gegart wird. Von außen war der Laden sehr unscheinbar. Das erste Mal bin ich drei Mal vorbeigefahren. Sein Konzept war es, was mich so begeisterte. Ich hab noch nie so ein klares Rezept gesehen. Nur sechs Speisen auf der Karte, die durch eine unheimliche Frische begeisterten.
Ein weiteres Highlight ist das gerade neu aufgemachte "Neni"-Restaurant im Bikini-Haus gegenüber der Gedächtniskirche. Es ist dem 24Hours-Hotel angeschlossen. Sie bieten israelisch-mediterrane Küche, die ich liebe. Gegrillte Auberginen und israelische Shakshuka – ein Gedicht. Die Küche ist an das Ottolenghi in London angelegt – ein großartiges Restaurant. Israelisch-mediterrane Küche – das ist in Berlin noch nicht so verbreitet, ein paar gibt es schon. Haya Molcho ist die Begründerin der "Neni"-Restaurants. Ihr erstes steht am Wiener Naschmarkt.

Ulla, du ahnst es oder? ... ich hab jetzt Hunger. Lass uns was essen gehen.
Nein, nein, nein. Komm wir gehen zu mir, und ich mach dir einen Kaiserschmarrn, den du dein Lebtag nicht vergisst.

Liebe Leser, I'm sorry hier endet das Interview.

Das Interview führte Katja Mollenhauer. Fotos von Nadja Wehling

Ulla Killing ist 1970 in Wien geboren. Nach der Schule hat sie angefangen, Theaterwissenschaften und Pädagogik zu studieren. Sie hat auch ein PR-Lehrgang an der Uni absolviert. Im Berufsleben arbeitet sie dann als Assistentin der Geschäftsführung für das Plattenlabel Polygram, die heute Universal heißen. Mit ihren drei Kids lebt sie heute Berlin. Für den französischen Kinofilm "Die Schöne und das Biest" hat sie 2013 die opulente Speisetafel miterschaffen. Ulla Killings Facebookseite Killing Pepper

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