Juli 2013 / Christina Kulot / Malerin / Berlin-Charlottenburg

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Was verbindest du mit dem Monat Juli?
4th of July in Kentucky: Independence Day, Hitze und BBQ. Meine größte Überraschung war, dass man im Sommer nicht im Garten sitzen konnte, denn die Hitze und die Insekten waren so unerträglich, dass wir unser gegrilltes Steak im klimatisierten Haus essen mussten. Ich sehnte mich nach meinem Sommer in Deutschland, und das was ich am meisten vermisste, war der Gesang der Vögel vor dem Sonnenaufgang. Das habe ich in keinem anderen Land so schön erlebt wie hier.

Für was hast du eine Schwäche?
Ich habe eine große Schwäche für die Romantik. Ich liebe Caspar David Friedrich, seine sensible Farbwahrnehmung und Naturromantik, die einzigartig für mich sind.

Wie sieht dein familiärer Hintergrund aus?
Meine Beziehung zu meiner Herkunft ist ambivalent. Einerseits hatte ich das Glück in einer großen Familie auf dem Land aufzuwachsen, in Geborgenheit und in der Natur. Andererseits hatte ich einen unbändigen Drang nach Freiheit. Als ich mit 20 Jahren meine erste Weltreise machte, wurde mein Leben eine Abenteuerreise. Ich bereiste viele Länder und lebte 8 Jahre in New York. Irgendwann passte meine "heile Welt" der Kindheit mit der Realität nicht mehr zusammen, was eine große innere Spannung in mir auslöste, die ich bis heute zu bewältigen versuche.

Dann ist die "heile Welt" eine Antriebsfeder für dich.
Treibt dich diese innere Spannung zum Malen an?

Ich denke, dass der 11. September in New York der Auslöser für mich war, mit der Malerei anzufangen. Ich suchte einen neuen Halt, weil alles um mich herum zu zerbrechen schien. Ich fing an, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Durch die Malerei flüchtete ich zunächst zurück in meine "heile Welt", ich brauchte die Farbe, um mein inneres Gleichgewicht wiederzufinden. Die Aquarellmalerei brachte mich wieder in den Fluss, und von da an ging es weiter ins "weite Feld der Malerei". In New York verbrachte ich fast täglich meine Freizeit in Museen und Galerien. Irgendwann dachte ich, dass ich jetzt mal selbst sehen möchte, was ich kann. Ich meldete mich in der "Art Student League" für einen Aquarellkurs an. Das war der Auslöser, meinen eigenen Weg in der Malerei zu suchen.

Ist das die "Art Student League", an der schon Jackson Pollock studiert hat? Was hast du Gutes von dort mitgenommen?
Die "Art Student League" hat ausgezeichnete Dozenten, u.a. Erwin Greenberg, die mit Begeisterung Kunst vermitteln. Für mich war die beste Erfahrung in der Akademie, die positive Unterstützung der Leute, wenn du versuchst deinen Weg zu gehen. Ich habe gelernt positiv zu denken und an meine Malerei zu glauben.

Welchen Stellenwert hat die Malerei heute für dich?
Die Malerei ist jetzt das Wichtigste in meinem Leben, ich kann mir ein Leben ohne Malen nicht mehr vorstellen. Ich dachte immer, dass Malerei nur eine Nebenbeschäftigung im Leben wäre, aber jetzt gehe ich regelmäßig in Museen, um mich inspirieren zu lassen, denn ich brauche das Schöne in der Kunst zum atmen. In New York ging ich jede Mittagspause für eine halbe Stunde ins Metropolitan Museum, das war für mich lebensnotwendig im Stress des Alltags.

Das Interview führte Katja Mollenhauer. Fotos von Nadja Wehling

Christina Kulot ist 1966 im bayerischen Schongau geboren. Nach ihrem Sozialpädagogik-Studium in München zieht es sie in die weite Welt, u.a. nach Neuseeland. 1994 lässt sie sich in New York nieder. Ihr Interesse für die Malerei stellt sich schon während ihres Studiums der Sozialpädagogik ein, wo es als eine Ausdrucksform kommuniziert wird. Ihre Premiere als Malerin erlebt Christina Kulot mit ihrer ersten Einzelausstellung 2007 in der "Akademie für Malerei Berlin". Seit 2010 vertritt sie die Galerie "Hayaka Arti Galeri" in Istanbul, wo sie seitdem an vielen Gruppenausstellungen teilnimmt. Vornehmlich hat sie eine Leidenschaft für expressives Malen und für das Malen in Flächen. www.christinakulot.wordpress.com

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