Januar 2013 / Christl Mudrak / Raumkünstlerin / Berlin-Mitte

Coco Berliner - Christl Mudrak - 1

Gibt es in deiner Wohnung Kunst?
Ja, vor allem von anderen Künstlern. Mit einigen Kollegen konnte ich Arbeiten tauschen. Mein Mann und ich haben auch ein paar kleine Arbeiten gekauft, die uns bewegt haben. Die meisten hängen im Schlafzimmer und ich kann sie sehen, wenn ich von meinem Bett aus auf die Wand zu meiner Linken sehe. Über Jahre hinweg betrachte ich hier die gleichen Bilder und frage mich von Zeit zu Zeit, warum ich nicht das Bedürfnis nach einer Veränderung verspüre. Guten Bildern unterliegt vielleicht eine Art Formel, eben dass sie die Eigenschaft haben, einen festen Bezug zum Betrachter aufzubauen und sich immer wieder anders betrachten lassen. Von manchen Bildern fühle ich mich regelrecht betroffen. Auf eine Weise führen sie mir mich selbst, meine Zeit und meine Sichtweisen vor. Eine Arbeit z.B. ist die außerordentlich präzise Tuschezeichnung eines 9-jährigen Jungen von 1958. Sie zeigt das Cockpit eines mir unbekannten futuristischen Geräts mit vielen Uhren und erdachten Gerätschaften auf einem schwarz-weiß gestreiften Interieur vor einer Windschutzscheibe, die samt ihrer Scheibenwischer wieder eher an einen ganz normalen Linienbus der 50er Jahre erinnert. Ich meine, es ist mir möglich, mich in das Erfinden dieser Zeichnung hineinzuversetzen. Ich verstehe die Bildentscheidungen, die Genauigkeit im Durchdenken dieser Bildrealität. Sie stimmt für mich. Eine befreundete Künstlerin, Ute Ringel, hat mir bei unserer gemeinsamen Art mal erzählt, dass sie van Gogh so schätzt, weil sie das Gefühl hat, dass er ihr zwischen den Pinselstrichen hindurch zuzwinkert. Das scheint mir ein gelungenes Bild dafür zu sein, was ich meine. Ansonsten gibt es in meiner Wohnung tatsächlich auch installative Arbeiten, leider noch keine von Kollegen, aber das werde ich nun ändern. Zwei Ideen zu Wandarbeiten von mir, habe ich zuhause für mich auf eine Art "getestet" oder skizziert.... Ich finde es gut, wenn ich Distanzlosigkeit erleben kann und sich die Arbeit überall breit macht. In manchen meiner installativen Arbeiten lasse ich auch gerne jemanden wohnen, wenn das möglich ist.

Ah ja... entweder bringen wir die Kunst zu uns nach hause – der wohl klassische Weg – oder wir gehen zur Kunst und werden ein Teil von ihr. Ich war mal Teil eines Kunstwerkes. Da durften rund 20 Besucher in den Berliner Sophiensälen übernachten... in Betten mit riesigen Oma-Kissen und dicken Federbetten. In den Kissen waren Lautsprecher eingenäht. Als "Gute Nacht"-Geschichten ertönten aus ihnen im besten Schwiizerdütsch Geschichten vom mühsamen Arbeitsleben in den Schweizer Alpen. Mit dem ersten Sonnenstrahl weckte ein Alphornist die verschlafenen Kunstwerk-Teilhaber, danach saßen wir alle bei einem rustikalen Frühstück zusammen an einer Tafel. Kein anderer Kunstbesuch war für mich so eindringlich wie dieser.
Was denkst du, warum hat es so eine starke Wirkung auf die Menschen, wenn sie Teil der Kunst sind?

Wahrscheinlich hat das mit dem Ego zu tun. Unterhaltung sowie auch etwas Besonderes und Neues bieten einen einfacheren Einstieg für einen Kunstkontakt, weil es neugierig macht und ich als Betrachter leicht ausschließlich Konsument sein kann. Was sich uns darbietet, was wir nicht übersehen können, lässt uns dann sicherlich auch leichter eine Erinnerung produzieren. Die Gefahr solcher Arbeiten sehe ich darin, dass es sich um ein reines Spektakel ohne Tiefe handeln könnte. Allerdings bekommt der Künstler oder Regisseur in solchen Fällen sicherlich reichhaltige Rückmeldung, die sehr lohnend für die weitere Arbeit sein kann.
Eine Arbeit, die vor allem auf eine reflektive Ebene verweist, verlangt bei der Betrachtung und Auseinandersetzung mehr Engagement vom Besucher. Und bestimmt hat es auch damit zu tun, wen man mit seiner Kunst ansprechen will.

Was ist für dich ein spannender Ausstellungsort?
Das muss ein Ort sein, der einen herausfordert, eine neue Perspektive einzunehmen und der einem die Möglichkeit gibt, einen neuen Gedanken zu fassen.
Vielleicht könnte es auch ein Ort sein, an dem man die Kunst suchen muss. Im vergangenen Sommer hatte ich eine ganz interessante Begebenheit. Ich war zu einer Gruppenausstellung eingeladen, die das Thema "my space" behandelte und hinzukam, dass ich in demselben Raum ausstellen sollte, in dem ich bereits 2007 meine Meisterschülerarbeit gezeigt hatte. Damals zeigte ich eine erste, recht aufwendige Rauminstallation und eine richtungsweisende Arbeit für meine weitere Entwicklung. Dieser nun mir neuerlich zugewiesene Raum war für mich schon mein Raum, ohne dass ich hierfür noch etwas hätte tun können. Um tatsächlich einen neuen Betrag für diese Ausstellung zu machen, blieb mir die Möglichkeit der Bestätigung meiner alten Arbeit oder aber die Löschung und Freimachung dieses Raumes zugunsten eines neuen Kunstwerks. Ich entschied mich für das Zweitere und befragte verschiedenste Freunde nach ihren Mitteln zur Klärung und Freimachung eines Raums. Woraufhin ich auf verschiedenste Arten und mit den jeweils spezifischen Reinigungsprodukten diese Klärung des Raums durchgeführte. Frische weiße Wandfarbe wurde aufgetragen, Pflanzenlicht in die Neonröhrenvorrichtung eingebaut, ein riesiger, kugeliger Kaktus, auch Schwiegermuttersitz genannt, wurde als Energieabsorber für ein paar Tage auf der Raumdiagonalen aufgestellt, mit dem Staubsauger wurden akribisch alle Flusen entfernt, mit einem speziell empfohlenen Putzmittel und dem Glasreiniger wurden Boden und Fenster gereinigt. Zitronenwasser und Minzöl für einen klärenden Raumduft wurde verdampft, Kerzenlicht wurde für mehrere Stunden aufgestellt, eine Reinigungsmeditation wurde von einer buddhistischen Nonne in meiner Anwesenheit durchgeführt, in dem sie sich jede einzelne Raumseite konzentriert als sauber und aufnahmefähig vorgestellt hat. Gute Wünsche für diesen Raum und seine zukünftigen Ausstellungsexponate wurden von mir formuliert und ausgesprochen. Nach der Beendigung aller Reinigungsarten wurde die Ausstellung eröffnet.

Verstehe ich dich richtig... dein Kunstwerk bestand darin, den Raum zu säubern... sozusagen freizumachen. Geniale Idee! Und wie haben die Besucher reagiert?
Es war eigentlich gar nicht meine Idee, es war vielmehr meine Reaktion auf den Sachverhalt: Ort in Relation zum Ausstellungsthema. Ich hatte eine ganz andere Arbeit vorbereitet, mit einem indirekten Verfahren hatte ich die Spuren meines Atelierbodens 1:1 auf eine Leinwand gezogen. Ich wollte partout nicht in diesem mir im Nachhinein zugewiesenen Raum ausstellen, weil dieser Raum für mich schon gedanklich mit einer Arbeit besetzt war. Die Reaktion der Besucher hat mich nicht so sehr überrascht. Sie haben sich auf die Suche begeben, was es mit dem Raum auf sich hat – über den Titel, Gespräche und Wahrnehmung. Viel interessanter war für mich die Reaktion der anderen Künstler der Gruppenausstellung. Im Rest des Ausstellungsraums war kein Platz ungenutzt geblieben, meiner erschien leer. Irgendwie schien der Raum ein Ungleichgewicht herzustellen. Während der Eröffnung standen einige Künstler mit ihren Gästen in meinem Raum, und es schien ihnen nötig, über diesen Hergang zu sprechen. Eine Kollegin mutmaßte auch, dass ich es mir hier zu leicht gemacht hätte ohne Arbeitseinsatz. Und auf eine Art hätte man das auch denken können.

Was war für dich die bisher schönste Reaktion auf ein Kunstwerk von dir, und wie viel bisher die niederschmetterndste Reaktion aus und was hat sie in dir bewirkt?
Ich habe nun über diese Frage nachgedacht und kann vielleicht keine direkte Antwort geben. Ich hatte keine schönste oder niederschmetterndste Reaktion. Ich bin an der Reaktion an sich interessiert, damit ich verstehen kann. Manchmal sagen Leute zu mir, dass sie es in meinen bemalten Räumen nicht lange aushalten können. Es interessiert mich nicht sehr, dass es so ist, sondern warum das so ist.

Viele deiner aktuellen Werke fallen praktisch aus dem Rahmen. Wie bist du auf den Gedanken gekommen, 'die Leinwand reicht mir nicht mehr aus'?
Eigentlich umgekehrt. Es fing so an, dass mir der tatsächliche, physische Raum, also der Platz im Atelier in London während meines Studiums nicht ausgereicht hat. Wir arbeiteten im Goldsmiths College im Keller einer historischen Badeanstalt auf engstem Raum. Ich hatte einen etwa 2 x 3 m großen Kojenplatz und eine Wandhöhe von etwa 3 Metern, wie meine Studienkollegen auch. Ich wollte mich ausdehnen an meinem Platz. Da ich auch keinerlei eigenen Wohnraum aus Kostengründen mieten konnte, war ich fast immer im Atelier. Ich war im ersten Studienjahr in London in das Youth Hostel gegenüber der Schule in einem gemischten Sechsbettzimmer einquartiert und wollte dort so wenig Zeit wie möglich verbringen. Ein eigener Platz und eine dortige Expansion waren für mich ganz essentiell zu dieser Zeit. Ich hatte bis dahin auch noch nie soviel Zeit für meine Arbeit zur Verfügung. Ich wollte den ganzen Raum nutzen und noch vervielfachen. Der Bildraum an sich hat etwas Unendliches, weil ich soviel Tiefe oder Untiefe im Bild erzeugen kann, wie ich es vermag. Wenn ich den dreidimensionalen Raum mit dem Bildraum überziehe, dann verändere ich seine Dimensionen und damit auch die Eigenwahrnehmung.

Auf was erstreckst du deine Kunst jenseits der Leinwand und warum?
Das Bild vom Raum ist unendlich tief und nah, wie der Raum an sich es niemals sein kann. Wenn ich mir diese Prämisse setze, ahne ich, dass es sich momentan bei meiner Arbeit um eine Vereinfachung und eine Veranschaulichung in Bezug auf die suggestive Kraft des Bildraumes handelt. In meiner installativen Arbeit bin ich sozusagen auch gleichzeitig immer dem kontrollierenden, rasterartigen Konstrukt des physischen Raums ausgesetzt. Dieser steht im Kontrast zu meinem Wünschen und Ringen alles das aufzulösen, was als Illusion gelten könnte. Also ist meine hauptsächliche Frage: Wie kriege ich den Raum weg? Und zugunsten von was eigentlich?

Auf welche Lösungen bist du bis jetzt gekommen?
Also, ich bin gerade dabei, diese für meine Doktorarbeit zusammenzustellen und meine formulierten Thesen auch tatsächlich physisch auszuexperimentieren. Wichtig ist mir dabei die Art und Weise, wie der Betrachter auf die Anordnung reagiert, physisch und psychisch. Im Wesentlichen handelt es sich bei meinen "Lösungen" um Fragestellungen zur Überlappung und Überschneidung von Raum-Bild-Strukturen sowie Abstraktion der räumlichen Wahrnehmungssinne und auch das Einführen von Lebendigem in den Raum. Dazu im Gegensatz steht für mich die Erscheinungsform einer Indirektheit von Arbeit im Raum.
Wie ist zum Beispiel ein Raum für mich, wenn ich in diesem 100 Liegestütze machen soll, dieser Aufgabe aber körperlich gar nicht gewachsen bin? Hier löscht sich ebenfalls die Raumwahrnehmung zugunsten einer starken Wahrnehmung des Körperraums und dem Erkennen der eigenen Kapazitäten und Grenzen. Sicherlich ist die Perspektive auf ein Ereignis und der Eintritt in dieses mitentscheidend für die Lesbarkeit und das Verständnis für die Situation eines Ortes und seiner Bedingungen. Und es geht dann so weiter, denn wie ich einen Ort verstehe, so verhalte ich mich auch an diesem.

Du arbeitest praktisch mit "Raum-Spezialisten" zusammen, wenn ich an deine Dozententätigkeit in Zürich denke, bei der du Architektur-Studenten unterrichtest. Was ziehst du aus dieser Kooperation?
Die Arbeit an der ETH Zürich (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) gehört für mich zu den spannendsten Auseinandersetzungen. Erst diese Arbeit hat mich dazu geführt, dass ich meine Reflexion über Raumbedingungen immer mehr ausgeweitet habe. Sie ist für mich wirklich künstlerische Praxis und gleichwertig zur Atelierarbeit. Ich gebe in der gemeinsamen Arbeit mit den Studenten meine Fähigkeiten und meine Fragestellungen weiter. Dadurch bekommen sie einen Einblick in mein Denken. Wir führen oftmals gemeinsam nach einem Konzept, manchmal mit bis zu 60 Studenten, eine künstlerische Handlung für eine Arbeit aus. Zum Beispiel das Projekt "Schwarzes Haus Weiss": Hierfür haben wir ein kleines Einfamilienhaus auf seiner gesamten Oberfläche zuerst schwarz und dann ein halbes Jahr später mit der gleichen Menge Farbe in Weiß bemalt. Danach durfte eine Gruppe von Studenten über den Sommer dort zum Probewohnen einziehen. Das Hauptaugenmerk liegt bei solchen Projekten nicht nur in der Herstellung der Arbeit, sondern auf der Beobachtung und Notation zur Veränderung des Raums und der eignen Einsichten. Es ist für uns spannend zu erkennen, wie wir doch eine Art poetisches System gemeinsam abgeben, wenn wir uns gegenseitig im Nachhinein unsere Berichte vorlesen.
Mein Unterricht bei den Architekten ist für mich eine künstlerische Ausdrucksform, die ich nun auch außerhalb der ETH getestet habe, indem ich mit einer Gruppe von 30 Schülern in Ulm das Innere eines Haus komplett bearbeiten durfte. Diese Form der Gruppenarbeit funktioniert für mich in einer Gruppe, die in das künstlerische Arbeiten neu einsteigen. Außerdem habe ich festgestellt, dass es keinen Sinn macht, eine gute Übung aus dem Unterricht für das nächste Studienjahr nochmals zu wiederholen, denn ich habe dann schon ein mögliches Ergebnis und eine Vorstellung im Kopf, die die Möglichkeiten zu limitieren scheint und das überträgt sich anscheinend auch auf die Studenten. Gutes Lehren ist für mich auch gleichzeitiges Lernen.

Wie findest du die jeweilige Idee zu deinem nächsten Projekt?
Das liegt meist auf der Hand. Es entwickelt sich eine Arbeit aus der anderen. Seit langer Zeit habe ich mich nicht mehr gefragt, was eigentlich als nächstes kommen könnte. Es entspringt einer inneren Notwendigkeit, dass jetzt diese oder jene Frage mit einer Arbeit beantwortet sein will. Einige Projekte für ganze Häuser liegen im Kasten und warten auf den richtigen Zeitpunkt für ihre Realisation. Aber ich brauche einfach auch ganz viel Zeit, in der ich vermeintlich Nichts tue. Manchmal fragen mich Leute, ob ich ihnen Ansichten von neuen Gemälde senden könnte, aber das Atelier ist gerade leer. Ich arbeite tatsächlich nur an den Tagen, an denen ich es wirklich will. Denn ich bin nur dann gut, wenn ich ganz bei der Sache bin.

Dein Atelier steht vielleicht im klassischen Sinne leer, aber eigentlich ziehst du deinem Atelier gerade eine zweite Haut – in Form von Leinwandstoff – über. In der Tat hatte ich beim Anblick den Eindruck, der Raum gewinnt seine Jungfräulichkeit wieder... man bekommt Ideen für völlig neue Funktionen und Ordnungen. Was schwebt dir mit der 2. Haut alles vor?
Ich nenne diese Arbeit Leinwandraum. Er ist als Reflektionsobjekt meiner künstlerischen Arbeit gedacht. Ich würde behaupten, ich beginne mit dieser Arbeit meine Selbstbeobachtung nochmals von vorn. Der Raum ist transportabel gedacht und soll die Spuren meiner Atelierarbeit sammeln. Er ist als eine Art Vorrichtung zu verstehen, mit dem ich einem Raum und dem Benutzer Informationen abgewinnen kann. Dieser Raum wird über einige Zeit als Atelier-Umraum dienen. Er soll sowohl als ganzer Raum als auch teilweise als separates Raumteil oder als Einzelfläche des Raumes gezeigt werden können. Praktisch angewandt sind alle Raumflächen aus stabilem weiß grundiertem Leinwandgewebe hergestellt. Die Verbindungen der Raumseiten sind aus einzelnen, Industrie-Reißverschlüssen angefertigt, so dass der Raum jeder Zeit zusammengesetzt und getrennt werden kann. Die Tür und das Fenster des Ateliers werden ausgespart, so dass der Leinwandraum im Atelierraum voll funktionsfähig ist.
Wenn man den leeren Atelierraum in ein paar Monaten betreten wird, finden sich an allen 6 Flächen, die den Raum bilden, Spuren einer künstlerischen Tätigkeit, die alleine schon faszinierend und aufschlussreich sind. Auch dort wird jenseits der produzierten Kunstwerke die Arbeitsweise und der Prozess des künstlerischen Schaffens offengelegt. So etwa die Malspuren, wenn über den Rand eines Bildes gemalt oder gesprüht wurde, das an der Wand hing. Fußspuren und Abdrücke in noch nassen Flächen auf dem Boden. Spritzer von Farbe und Grundierung auf dem Boden, der über und über mit kleinen und großen Klecksen bedeckt ist. Spuren von handwerklichen Tätigkeiten wie Hämmern, Sägen und vom Nägel in die Wand Einschlagen. Sogar Farbspritzer an der Decke oder die Trockenränder eines ausgelaufenen Malcontainers mit Schmutzwasser auf dem Boden. Diese ganzen Spuren sind forensisch betrachtet die Überreste und Beweise für die Herstellung und Erarbeitung von Kunstwerken, die den Arbeitsraum verlassen, sobald sie als fertiggestellt definiert sind. Übrig bleibt der Raum, in dem sich das aufgezeichnet hat.
Im kommenden Jahr möchte ich mit dem Raum auf Arbeitsreise gehen. Ein Residenzprogramm oder eine Institution finden, in deren Studio ich meinen Raum einpassen kann. Für dieses zweite Atelier wird der Leinwandraum erweitert, sowie räumlich und situativ angepasst. Dann überlagern sich zwei faktische Räume mit dem Arbeitsprozess, der Bildraum-schaffende Eigenschaften besitzt. Ich bin wirklich gespannt darauf, wie sich diese Arbeit entwickelt. Ich habe die Bedingungen gesetzt, bin aber über den Ausgang im Unklaren.

Raffiniert. So bekommt deine Kunst einen dreidimensionalen Charakter auf eine ganz traditionell handwerkliche Art und Weise. Da werden die Filmleute mit ihren aufwendigen 3D-Technologien ganz neidisch auf dich sein.
Ich hoffe, der ungewisse Ausgang deiner Raum-Arbeit bringt dir ganz viel neuen Input und katapultiert dich mit Pioniergeist in die vierte Dimension. :-)

Das Interview führte Katja Mollenhauer. Fotos von Nadja Wehling

Christl Mudrak ist 1972 in Memmingen geboren. Heute arbeitet und lebt sie in Erbach, Berlin und Zürich. Ihr Kunstwissen erwirbt sie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und am Goldsmiths College London. Neben ihrem Lehrauftrag an der ETH Zürich, Department Architektur, den sie seit 2007 erfüllt, hat sie auch einen Lehrauftrag an der HBKSaar in Saarbrücken im Jahr 2012. Seit rund 4 Jahren nimmt sie an einem PhD Programm an der Akademie der Bildenen Künste in Prag teil. In Berlin ist sie ihrer früheren Studienstätte Kunsthochschule Berlin-Weißensee treu geblieben, in dem sie 2011 dort als Gastprofessorin tätig war. www.christlmudrak.com

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