Juli 2012 / Peggy Kuwan / Coach / Berlin-Mitte

Coco Berliner - Peggy Kuwan - 1

Was hat dich nach Berlin verschlagen?
Mein Studium der Kulturwissenschaft an der HU Berlin.

Was hast du vor deinem Coachsein beruflich gemacht? Und wie haben die damals gemachten Erfahrungen dich dazu bewogen als Coach zu arbeiten?
Bevor ich angefangen habe als Coach und Berater für den Kreativbereich zu arbeiten, habe ich für einige Jahre den Künstler John Bock gemanagt. Dieser Job hatte eine ungeheuere Vielfältigkeit. Zudem wurde ich immer wieder zu den verschiedensten freien Projekten um Rat gefragt. So kam ich auf die Idee, mein jetziges berufliches Profil zu entwickeln. Ich dachte mir, wenn die Leute mich schon anrufen, dann kann ich da auch etwas Professionelles daraus machen. Mit kreativen Leuten zu starten, lag quasi auf der Hand. Und zum jetzigen Zeitpunkt kann ich für mich nur sagen: Alles richtig gemacht! Mit jedem Klienten verändert und wächst mein Profil. Ich bin dankbar für jede neue Erfahrung.

Mit welchen Themen kommen die Leute zu dir?
Das ist total unterschiedlich. Die Themengebiete erstrecken sich von persönlicher Profilentwicklung über Zusammenarbeit mit anderen bis hin zu Zeit- und Selbstmanagement. Manchmal fängt es an bei: "Ich habe alles erreicht, was ich bis jetzt erreichen wollte und ich weiß nicht, wie es weiter geht", oder es beginnt konkret mit "Ich kann mein Büro und meinen Schreibtisch nicht strukturieren. Was kann ich tun?". Im Erstgespräch erzählen die Leute erstmal alles, was sie gerade so bewegt. Manchmal denke ich dann, wow, wo fangen wir an? Aber in der Regel kristallisiert sich beim Nachfragen dann heraus, was eigentlich quer sitzt. Und das wirklich Spannende sind nicht die Themen, sondern das was jeder Einzelne daraus macht.

Gibt es herausragende oder bleibende Begebenheiten? Hast du ein paar Beispiele für uns?
Mein erster Klient. So was vergisst man nicht. Das war vor drei Jahren. Ein Musiker, der nicht wusste, wie es mit ihm weitergehen sollte. Heute hat er den Posten als künstlerischer Direktor in einer großen Firma. Das finde ich schon toll und bin auch stolz es mitverfolgen zu dürfen. Dann gab es auch mal einen Künstler, der kam zu mir mit der konkreten Bitte ihm zu helfen, erfolgreich zu sein. Zunächst war ich irritiert, da es jemand ist, der im Kunstbusiness durchaus eine Größe ist. Es war interessant zu hören, wie er Erfolg definierte. Und am Ende stellte sich heraus, dass das Problem eigentlich ganz anders gelagert war und mit der Frage nach Erfolg nichts zu tun hatte. Es gibt aber auch die Praktiker, die mich zum Staunen bringen, gerade wenn es um die Umsetzung von Organisationsstrukturen geht. Da greift der ein oder andere Firmeninhaber schon mal selbst zum Pinsel und streicht sein Büro, da es sich doch so gut anbietet, wenn wir schon mal dabei sind. Ein schönes Beispiel ist auch ein Geschäftsführer. Wir hatten sämtliche Aspekte seiner Agenda besprochen, und es war nicht mal annähernd ein problematischer Punkt erkennbar. Nach einem halben Tag Arbeit habe ich ihn dann zum zweiten Mal gefragt, weshalb er mich überhaupt gebucht hat. Nach kurzem Überlegen hat er nur gemeint: Ich brauchte vielleicht einfach nur mal jemandem, der mir sagt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. So sind es häufig die Kleinigkeiten, die hängen bleiben und die mich immer wieder mal schmunzeln lassen.

Bei welchen Fällen bist auch du ratlos?
Ratlos ist vielleicht nicht das richtige Wort. Manchmal ist es unheimlich schwierig, einen Zugang zum Klienten zu finden, oder es zeigen sich so viele Türen, dass du sprichwörtlich erstmal wie der Ochs vorm Tore stehst. In solchen Fällen hilft es immer, die Dinge direkt anzusprechen und sie bewusst zu benennen. Dann kannst du die Teile wie ein Puzzle neu zusammensetzen und Aspekte hinzunehmen oder rausschmeißen. Oft ist das auch mit einem großen Aha-Effekt verbunden. Das ist für mich einer der schönsten Momente meiner Arbeit: Wenn du siehst, wow, da passiert gerade was, und es ist toll, wenn dein Gegenüber es für sich annimmt und umsetzt.

Wie kommen die Klienten zu dir?
Seit dem ersten Tag ausnahmslos alle auf Empfehlung. Ich denke, das gibt die Kreativbranche auch so her. Häufig sind die Dinge, die angesprochen werden sehr persönlich, manchmal sogar abgründig. Vieles basiert auf Vertrauen. Und da liegt es näher dein Umfeld zu fragen: Hey, kennst du da nicht jemanden, als nach einer x-beliebigen Person in den Gelben Seiten zu suchen.

Was bedeutet dir dein Job?
Die Erkenntnis, dass ich nichts anderes auf der Welt machen will. Ich würde eher sagen, es ist nicht mein Job, sondern meine Berufung. Als ich vor einigen Jahren anfing als Coach zu arbeiten, wusste ich, dass das ein Job ist, den ich die nächsten dreißig Jahre machen kann. Das Gefühl hatte ich bei keiner Beschäftigung davor. Das einzige, worüber ich nach wie vor stolpere, ist der Begriff des Coaches. Ich persönlich finde, das trifft meine Arbeit nur in Ansätzen. Ich habe das eine Wort oder den speziellen Begriff noch nicht gefunden, der all das ausdrückt, was ich mache. Es ist paradox: Du weißt, du hast für dich den optimalen Job gefunden, den einen, den nur du machen kannst, aber auf der anderen Seite weißt du nicht, was weiter mit dir passiert und wo es hingeht. Mit jedem Klienten formt sich dein Profil neu, und du bist jedes Mal am Überlegen, was mache ich da gerade eigentlich und passt das noch zu mir.

Welche Bedeutung hat Berlin für dich?
Ich liebe Berlin, obwohl es mich manchmal auch ziemlich nervt. Ich lebe seit 15 Jahren hier und kann mir in Deutschland momentan keine vergleichbare Alternative vorstellen. Wenn ich mal wieder einen Berlin-Koller kriege, habe ich immerhin die Möglichkeit schnell und unkompliziert woanders sein zu können. Das ist ein großer Vorteil. Ansonsten schätze ich die Offenheit und die Neugierde der Menschen. Die Langsamkeit in dieser Stadt finde ich allerdings jedes Mal, wenn ich aus dem Ausland zurückkomme, gewöhnungsbedürftig. Es sind halt immer zwei Seiten der Medaille. Ich lebe und arbeite gern in Berlin, aber genauso liebe ich es unterwegs zu sein, um mit meinen Klienten direkt vor Ort zu arbeiten, sei es in London oder New York.

An welchen Plätzen auf der Welt geht dein Herz auf und warum?
Spontan würde ich sagen New York und Australien – beide vereinen Freiheit und Unabhängigkeit auf höchst unterschiedliche Weise.

Das Interview führte Katja Mollenhauer. Fotos von Nadja Wehling

Mit ihrem Vornamen – eine Kurzform von Margaret, was im altgriechischen "Perle des Lichts" bedeutet – kam für Peggy Kuwan keine andere Geburtsstadt als das brandenburgische Perleberg infrage. Nach dem Abitur zog sie in die große weite Welt hinaus und machte u.a. Station in London und Kopenhagen. Wenn Peggy Kuwan nicht gerade in ihrer beratenden Tätigkeit unterwegs ist, erwischt man sie beim ausgiebigen Tanzen, Wellenreiten oder beim Genießen eines Mohnhörnchens. www.peggykuwan.com

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