Januar 2012 / Monika Jarecka / Malerin / Berlin-Mitte

Coco Berliner - Monika Jarecka - 1

Wo bist du aufgewachsen?
In Poznan, Polen und Buchholz in der Nordheide, einem kleinen Hamburger Vorort.

Wo wohnst du heute?
In Berlin.

Was gab es für Begebenheiten in deinem Leben, die dich zur Kunst geführt haben?
Mein Schulunterricht. Ich hatte eine sehr engagierte Kunstlehrerin, die uns Kindern zeigte, wie man Radierungen erstellt. Und die auf ihre Weise eine Neugierde für Kunst und das Machen von Kunst wecken konnte. Sie besaß eine private Kunstsammlung von Drucken, die sie einst von ihrem Vater, der Kunsthändler war, geerbt hatte. Auf diese Weise konnten wir Kinder originale Dürer- und Goya-Stiche ansehen und sie sogar in die Hand nehmen. In den Sommerferien bekam ich einen Schlüssel und konnte im Kunstraum des leeren Schulgebäudes arbeiten. Das war damals schon ein wenig unheimlich für mich, aber auch toll.

Was inspiriert dich?
Ein Spaziergang und die eigene Bewegung im offenen, nicht alltäglichen Raum, sei es in der Stadt oder in der Natur. Orte, die ich jeden Tag sehe, verblassen eher und sind nicht so inspirierend. Insgesamt ist aber die Inspiration eher nicht etwas, das von außen her kommt, sondern etwas, das eng mit der Arbeit verbunden ist und oft aus ihr heraus entsteht – ein Konzentrat von Möglichkeiten.

Du hast an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studiert? Was hast du für Erfahrungen dort gemacht?
Da die Kunsthochschule Berlin-Weißensee während meiner Studiendauer von 1998 bis 2005 eigentlich immer knapp bei Kasse war, lernte ich, meine künstlerische Praxis auf einer minimalsten finanziellen Basis zu organisieren.

Mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten möchtest du deine Arbeit in der nächsten Zeit verbinden?
Am Anfang einer längeren Arbeitspause steht immer die Zeichnung. In der nächsten Zeit habe ich vor, zu zeichnen und damit meine Arbeit wieder mehr zu öffnen. Die Zeichnungen bringen mich zu neuen Bild- und Projektideen.

Stell dir vor, du könntest den Kunstmarkt beeinflussen. Welche Praxis würdest du ändern wollen?
Nicht alle Arbeiten eines Künstlers haben eine gleich hohe künstlerische Qualität. Der Preis aber richtet sich häufig nach dem Namen, den ein bestimmter Künstler innerhalb eines Rankings auf dem Kunstmarkt einnimmt. Man sollte vielleicht etwas mehr auf die künstlerischen Arbeiten schauen und weniger auf ihren Preis.

Was gefällt dir am besten an der Zeit, in der wir leben?
Das Internet.

Welche Werke anderer Künstler sind für dich unauslöschlich?
Unter anderen: Dürers “Melancholie I”. Leonardo da Vincis Porträts. Piet Mondrians Kompositionen. “Who´s afraid of Red, Yellow and Blue” von Barnett Newman. Mark Rothko. Ellsworth Kelly. Alex Katz. Gerhard Richter. Bernd und Hilla Becher. August Sander.

Deine Kunst scheint auf den ersten Blick aus einer Vorliebe für Symmetrie und Ordnung zu bestehen. Wie viel Improvisation lässt deine Kunst zu?
In Zeichnungen kann ich Ereignisse beobachten, um sie später in einem komplexen Gefüge auf die (dann meist größere) Leinwand zu bringen. Ich erstelle für meine Arbeiten Handlungsanweisungen, nach denen ich an einem Bild oder einem Projekt arbeite. Meinen Arbeiten liegen Handlungsanweisungen vor, aber meine Handlungen im Bild sind dennoch spontan. Sie sind sozusagen “improvisiert”. Symmetrien existieren zwar, werden aber immer wieder unterwandert und gebrochen. Farbe begreife ich als eine den physikalischen Gesetzen unterliegende Materie, die innerhalb eines limitierten Raumes, also eines Bildraumes bzw. Raumes auftretend, sich immer wieder vorhersehbar verhält. In der Verwendung der Farbmaterie suche ich den Moment eines von mir erzeugten „forcierten Zufalls“. Eine Fläche ist in meinen Arbeiten nicht als etwas definiert, das flach ist, sondern als etwas, das eher verräumlicht erscheint und zwischen einer flachen Ebene und einem Raum hin- und herpendelt.

Wie ist es mit dem Gefühl der Leere, der Gewissheit, nichts mehr zu erzählen zu haben?
Eine Gewissheit, nichts mehr sagen zu können oder zu wollen, gibt es nicht. Das eigentümliche Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit verblasst während der Arbeit.

Ich habe dich als sehr humorvolle Person kennengelernt. Streift der Humor auch deine Arbeiten?
Manchmal.

Das Interview führte Katja Mollenhauer. Fotos von Nadja Wehling

Monika Jarecka ist im polnischen Poznan und in einem Hamburger Vorort aufgewachsen. 2005 absolviert sie ihr Studium für Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Zwei Jahre hat sie die Frankfurter Städelschule besucht. 2006 hatte sie ihre erste Einzelausstellung im Saarländischen Künstlerhaus in Saarbrücken. Einer ihrer aktuellsten Arbeiten ist im Bundesministerium für Umwelt & Naturschutz ausgestellt. www.monikajarecka.com

Coco Berliner - Monika Jarecka - 2